Architektur

Architektur

Plan 1: 1912

Der 1912 bei der Behörde eingereichte und genehmigte Plan des Büros Ernst Schmidt & Liedtke orientiert die Wege, Beete und Gebäude in einem Oval um den ebenfalls ovalen Teich entlang  einer Hauptachse in Längsrichtung und einer Querachse. Ähnlich wie bei einem Barockgarten sind die Wege und Beete streng geometrisch gegliedert. Vom Eingangsportal erstreckt sich die Hauptachse über das Wasserbecken und eine Tanzplatte bis zu einem Lokal als nördlichen Endpunkt. Im ersten Ring um den Teich sind vier Gebäude mit dazwischenliegenden Bereichen für Schaubuden angeordnet. Der zweite, äußere Gebäudering soll weitere Attraktionen aufnehmen.

Die Neue Hamburger Zeitung kommentierte: “Wenn die Stadt Altona gehörig aufpasst und den Plan städtebaulich, architektonisch und gartenkünstlerisch noch einmal durcharbeiten lässt, kann sie den Beweis liefern, dass solche Vergnügungsparks kein Towubahowu von ordinärem Klimbim zu sein brauchen, sondern trotz der Enge des stark ausgenutzten Raums ganz wohl ein interessantes und sogar schönes Bild abgeben können. Berühmte Beispiele gibt es genug: abschreckende und vorbildliche.”

Lunapark Altona Plan 1912

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Plan 2: 1913

Da die Bauarbeiten nur schleppend voran gehen, werden 1913 auf Betreiben des Baupflegeamts Altona unter der Leitung von Stadtbaumeister Jakstein die dänischen Architekten Juul Brask und Elnar Rosenstand beauftragt, Fassaden zu entwerfen und das architektonische Ensemble des Parks zu lösen. Ihre Gestaltung wird von Jakstein in einem Artikel anläßlich der Eröffnung gewürdigt:

“Wenn nun das Werk von Brask und Rosenstand im Publikum Anklang finden sollte, dann wäre dieser Erfolg in erster Linie einigen scheinbar sehr nüchternen Ideen zu verdanken. Man erschrecke nicht, wenn ich der städtebaulichen Anlage des Parks hier den Hauptreiz zumesse. Schon beim Herantreten an das fantastisch kühn geschwungene Eingangstor wird der Blick weit in die Perspektive des Parks gelenkt. Man sieht den See, die beiden flankierenden Bierwirtschaften und den Musikpavillon, man entdeckt das Café und den schönen Platz, der zwischen Kaffee und den Bierwirtschaften liegt. Diese übersichtliche großzügige Anlage bestimmt sofort den klaren nachhaltigen Eindruck alles Geschaffenen. Es wird ergänzt durch viele prächtige Einzelbilder, die sich blickweise beim Durchwandern dem Auge dartun. So wurde hier schon das harmonische Zusammenspiel von der Bayerischen Bierhalle, dem Schweizer Häuschen und der Berg-und Talbahn, die ebenfalls kleine Hütten im Schweizer Stil trägt, lobend erwähnt. Der mittlere Platz wirkt geradezu edel und erinnert an die besten Bilder unserer modernen Ausstellungen. Ein Rückblick zum Eingangstor zeigt wieder den Wert der durch den ganzen Park führenden, streng betonten Längsachse. Die Querachse des mittleren Platzes wird durch vier entzückende, von der künstlerisch fein begabten Frau Brask entworfene Pavillons und von zwei mit Fahnenstangen umstandenen Blumenbeeten angedeutet. In dieser wohlbeachteten Einhaltung großer führender Richtlinien ist eine Vorschrift der Städtebaukunst zu erkennen. Eine andere wäre die harmonische Größenabstimmung der einzelnen Geländemassen. Diese kann ebenfalls auf dem mittleren Platze als glücklich beobachtet werden.
Doch nicht weniger ist es die Einzelarchitektur, die sicher in Hamburg überraschend wirken muss, für das Publikum augenfälliger sein wird. Das Torgebäude ist so charakteristisch, so luftig in seinen gewagten Linien und Farben, wie mir kein zweites bekannt. Die Wirtschaftsgebäude, die bescheidene Architektur der Tanzplatte, die Flaggenstangen, die Umwährung, die verschiedenartigen Kioske, selbst das Häuschen der Notwendigkeit sind fein empfundene, eigenartige, architektonische Schöpfungen, die den Namen der Architekten hohe Ehre machen werden …

Lunapark Altona Plan 1913

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Bauausführung

Die Architekten Brask und Rosenstand berichten: “Da die Mittel gering waren, musste man mit einer sehr einfachen Architektur und billigen Materialien arbeiten.”
Die größeren, flachen Gebäude sind in Fachwerk gebaut, mit Rabitzgewebe bespannt und mit Zement verputzt. Über den Zement ist eine farbige Schicht Spritzputz aufgebracht. Die Dächer sind mit roten, holländischen Fliesen, der Haupteingang aber mit Biberschwanzsteinen abgedeckt.
Der Haupteingang ist in einer kräftigen, leuchtend roten Farbe mit Gesims und Streifen gehalten, das Sommercafé in hellgrauem Putz mit Gesims und Bändern ausgeführt. Der Tanzsalon ist im Stil eines alten niederdeutschen Landhauses, mit Fachwerk, reich gemustertem Mauerwerk und hohem Strohdach ausgestattet.

Der Tanzpalast im Entwurf von Brask und Rosenstand.
Bild: Neue Hamburger Zeitung

Baustelle

Am 23.8.1913, kurz vor der Eröffnung des Parks,  berichtet das Hamburger Echo von der Situation auf der Baustelle:

Delikates vom Lunapark.

Der Lunapark soll vom Sonntag an als Vergnügungspark dienen. An ihm zu arbeiten ist kein Vergnügen. Nachstehende Zeilen sollen der Öffentlichkeit einen Einblick in die sittlich-sanitären Verhältnisse während der Herstellung der Baulichkeiten gewähren. In der letzten Zeit sind dort ungefähr 200 Bauarbeiter beschäftigt. Für die Zimmerer und auch für die anderen Gruppen waren die Unterkunftsräume, besonders in letzter Zeit, sehr mangelhaft. In der Baubude der Zimmerer war nur teilweise Fußboden. Das Dach leckte. Weit schlimmer sah es aber mit den Abortanlagen aus. Für die 200 Arbeiter ganze zwei Abgeordnete mit drei Sitzen vorhanden. Ein anderer Abort steht außerhalb des Baugeländes in der Augustinerstraße. Dieser hat allerdings drei Sitze, darf aber von den Arbeitern dort wenig oder gar nicht benutzt werden. Am 7. August teilte die Bauarbeiterschutzkommission der Firma Rupprecht, München, mit, dass die Zustände nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Es wurde auch Abhilfe versprochen. Aber geschehen ist nichts. Die Zimmerer verweigerten darauf die Arbeit und erzielten, dass die Baubude vorschriftsmäßig hergerichtet wurde. Den Gipsern wurde ein Raum, der wohl später als Kassierzelle dienen soll, angewiesen. Der Raum war an einer Seite offen, Fenster fehlten gänzlich. Unter dem 8. des Monats wurde die zuständige Behörde von der unvorschriftsmäßig Klarheit der Abgeordnete in Kenntnis gesetzt, mit dem „Erfolg“, das bis heute daran nichts geändert ist. Die Klosette sind geradezu in einem ungeheuerlichen Zustand. Das eine Klosett unter der Rodelbahn zu beschreiben, ist an dieser Stelle nicht möglich. Das Klosett neben dem bayerischen Restaurant droht umzufallen, wenn zwei Mitarbeiter es benutzen. Pissoire sieht man überhaupt nicht …