Personen

Hugo Smidt

Der Rat der Stadt Altona holte über den Gründer des Luna Parks Informationen ein:

„…der 1876 geborene Kaufmann Hugo Smidt aus einfacher Hamburger Familie stamme, ein gewandter und fleißiger Kaufmann sei, in Wandsbek eine größere Villa bewohne und überhaupt ein großes Haus mache. Er habe sich mehrere Jahre in Swakopmund in Deutsch-Südwest-Afrika aufgehalten, wo er ein Marmorlager besitze. Sein Geld habe er in erster Linie in Deutsch-Südwest-Afrika angelegt, habe aber in Hamburg auch einige Droschkenautomobile fahren.“

Werner Jakstein

Werner Jakstein war ein bedeutender Baurat, der 1910 nach Altona ging und dort das Baupflegeamt leitete. Er untersuchte viele Baudenkmale in Altona und Schleswig-Holstein und veröffentlichte seine Arbeiten in Bauzeitschriften und Tageszeitungen. Beeinflusst von der Heimatschutzbewegung, förderte er einen modernen Traditionalismus und den Neubau von Backsteinbauten. 1912 wurde er Altonaer Stadtbauinspektor. Nach dem Krieg organisierte er eine Deutsche Bauausstellung in Bergen. 1921 erhielt er den Titel Baurat und promovierte 1927 an der Technischen Hochschule Braunschweig. Jakstein war fasziniert von alten Bauwerken und schied 1945 aus dem Amt. Er starb 1961 in Hamburg.

Werner Jakstein, Liebe Alte Stadt , Geschichten um Menschen und Bauten
Verlag: Hammerich & Lesser Hamburg 1940

Georg Juul Brask und Einar Rosenstand

Von 1909 bis 1912 arbeiteten die dänischen Architekten Einar Rosenstand und Georg Juul Brask in Werner Jaksteins Büro an der Gestaltung des Luna Parks

Rosenstand war von 1911 bis 1912 bei der Baukommission in Altona, Baupflegeamt des Stadtbauinspektors Jakstein angestellt. Von 1912 bis 1914 war er in Hamburg und Altona selbstständig tätig..

Unter anderem realisierte er in Hamburg-Altona Wohngebäude, den Luna Park und ein Restaurant in Zusammenarbeit mit Architekt Georg Juul Brask (1912–14).

Hugo Haase

Gottfried Martin Hugo Haase (* 1. Juni 1857 in Winsen (Luhe); † 13. September 1933 in Hannover) war ein deutscher Schlosser und Unternehmer, der Karussells baute und betrieb. Er revolutionierte in den Jahrzehnten um 1900 die Vergnügungsindustrie auf den Jahrmärkten Mitteleuropas und gilt als Schöpfer neuartiger Attraktionen bei Karussells, beim Autodrom und bei der Achterbahn. Er hatte sich aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet und war für seine soziale Gesinnung bekannt.

Quelle: Wikipedia

Freizeitkultur

Was ist Freizeit?

Freizeit ist die Zeit, die Menschen außerhalb ihrer beruflichen oder schulischen Verpflichtungen zur Verfügung steht, um sich zu erholen, Hobbys nachzugehen, soziale Kontakte zu pflegen oder einfach zu entspannen. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens, da sie zur Erholung und zum Wohlbefinden beiträgt. Freizeitaktivitäten können sehr vielfältig sein, von sportlichen Betätigungen über kulturelle Erlebnisse bis hin zu ruhigen Momenten der Entspannung.

Arbeit gegen Freizeit

Um 1900 war das Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Freizeit stark von den wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen der Industrialisierung geprägt. Die Arbeitszeiten waren in der Regel lang, und die Freizeit war sehr begrenzt.
Wegen der harten Arbeitsbedingungen  musste die verbleibende Freizeit oft zur Erholung und Regeneration genutzt werden.

Beginn von Arbeitsreformen
Um die Jahrhundertwende begannen sich Arbeiterbewegungen und Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Dies führte in einigen Ländern zu ersten Reformen, die mehr Freizeit brachten.

Freizeitgestaltung
Trotz der begrenzten Freizeit fanden Menschen zwar Wege, ihre freie Zeit zu nutzen, insgesamt war die Balance zwischen Arbeit und Freizeit um 1900 aber stark zugunsten der Arbeit verschoben.

Die Luna Park Bewegung

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden Luna Parks als neue Freizeiteinrichtungen, die sich auf die Unterhaltung eines urbanen Massenpublikums konzentrierten. Diese stationären Rummelplätze, wie der Luna Park in Altona, boten spektakuläre Attraktionen unter anderem Gebirgsbahnen und Riesenräder. Sie befanden sich meist am Stadtrand.
Der Luna Park Altona war einer der größten Freizeitparks Europas und bot Superlative und Sensationen, darunter ein Hallenwellenbad  und ungewöhnliche Artistik und Flugvorführungen.

Es wurden auch Frühformen thematischer Inszenierungen eingeführt, wie die Achterbahn, die durch eine durch eine Gebirgslandschaft fährt (Scenic Railway), oder epische Inszenierungen mit Riesenplakaten, Musik und Feuerwerk (Der Brand von Moskau). Sehr beliebt waren auch die sogenannten  „Völkerschauen“ oder „Wild West Shows“.

Coney Island 1907

Lesevorschläge

Blomeyer, Gerald und Barbara Tietze,
„… grüßt Euch Eure Anneliese, die im Lunazauber schwelgt.“
Lunapark 1904 – 1934, eine Berliner Sonntagsarchitektur,
in: Stadt 4, 1982

Veronique Grawe
Der Lunapark: Ein Beispiel metropolitaner Kultur um 1900 in Berlin, München,
GRIN Verlag

Elsell, Maria und Barbara Tietze,
Berlin-Lunapark – Vom Kult der Zerstreuung,
in: Berliner Bauvorhaben 3, 4 und 5, 1983.

Johanna Niedbalski,
Die ganze Welt des Vergnügens,
Berliner Vergnügungsparks der 1880er bis 1930er Jahre

Jürgen Weissner,
Zwischen Lustgarten und Lunapark,
Der Volksgarten Nymphenburg und die Entwicklung der kommerziellen Belustigungsgärten,
Herbert Utz Verlag – Wissenschaft

Impressum     Datenschutz      Quellen

Der Luna Park Altona

lpa-teaser-home-feuerwerk

Neue Unterhaltung für alle Schichten und Geldbeutel
… mehr

lpa-teaser-home-rundgang

Ein kleiner Rundgang zu den Attraktionen
… mehr

cropped-Kartenausschnitt-1913

Der Luna Park existierte nur von 1913 bis 1925
… mehr

lpa-home-teaser-plan-1912

Ein erster Entwurf war zu anspruchsvoll
… mehr

lpa-teaser-home personen

Die treibenden Personen hinter dem Luna Park Projekt
…mehr

Straßenbahn Altona

Viele Park Besucher nutzen die gute ÖPNV Anbindung
…mehr

bsp-dampfturbine-1912

Unterhaltung auf neuem Niveau dank elektrischem Strom
…mehr

bsp-leipzig-1925

Was fangen wir mit der neuen Freizeit an?
…mehr

Architektur

Plan 1: 1912

Der Plan vom Büro Ernst Schmidt & Liedtke für den Park hat alles in einem ovalen Muster um den Teich angeordnet, mit Haupt- und Querachsen, ähnlich wie in einem Barockgarten. Die Hauptachse geht vom Eingang über einen Teich und eine Tanzfläche bis zu einem Lokal. Um den Teich herum gibt’s zwei Ringe: Der erste hat vier Gebäude und Platz für Schaubuden, der zweite soll mehr Attraktionen haben.

Die Neue Hamburger Zeitung kommentierte:
„Wenn die Stadt Altona gehörig aufpasst und den Plan städtebaulich, architektonisch und gartenkünstlerisch noch einmal durcharbeiten lässt, kann sie den Beweis liefern, dass solche Vergnügungsparks kein Towubahowu von ordinärem Klimbim zu sein brauchen, sondern trotz der Enge des stark ausgenutzten Raums ganz wohl ein interessantes und sogar schönes Bild abgeben können. Berühmte Beispiele gibt es genug: abschreckende und vorbildliche.“

Plan 2: 1913

Plan 3: 1913

Da die Bauarbeiten nur schleppend voran gehen, werden 1913 auf Betreiben des Baupflegeamts Altona unter der Leitung von Stadtbaumeister Jakstein die dänischen Architekten Juul Brask und Elnar Rosenstand beauftragt, den ursprünglichen Entwurf zu überarbeiten. Ihre Planung wird von Jakstein in einem Artikel anläßlich der Eröffnung gewürdigt:

„Wenn nun das Werk von Brask und Rosenstand im Publikum Anklang finden sollte, dann wäre dieser Erfolg in erster Linie einigen scheinbar sehr nüchternen Ideen zu verdanken. Man erschrecke nicht, wenn ich der städtebaulichen Anlage des Parks hier den Hauptreiz zumesse.

Schon beim Herantreten an das fantastisch kühn geschwungene Eingangstor wird der Blick weit in die Perspektive des Parks gelenkt. Man sieht den See, die beiden flankierenden Bierwirtschaften und den Musikpavillon, man entdeckt das Café und den schönen Platz, der zwischen Kaffee und den Bierwirtschaften liegt. Diese übersichtliche großzügige Anlage bestimmt sofort den klaren nachhaltigen Eindruck alles Geschaffenen.

Es wird ergänzt durch viele prächtige Einzelbilder, die sich blickweise beim Durchwandern dem Auge dartun. So wurde hier schon das harmonische Zusammenspiel von der Bayerischen Bierhalle, dem Schweizer Häuschen und der Berg-und Talbahn, die ebenfalls kleine Hütten im Schweizer Stil trägt, lobend erwähnt.

Der mittlere Platz wirkt geradezu edel und erinnert an die besten Bilder unserer modernen Ausstellungen. Ein Rückblick zum Eingangstor zeigt wieder den Wert der durch den ganzen Park führenden, streng betonten Längsachse. Die Querachse des mittleren Platzes wird durch vier entzückende, von der künstlerisch fein begabten Frau Brask entworfene Pavillons und von zwei mit Fahnenstangen umstandenen Blumenbeeten angedeutet.

In dieser wohlbeachteten Einhaltung großer führender Richtlinien ist eine Vorschrift der Städtebaukunst zu erkennen. Eine andere wäre die harmonische Größenabstimmung der einzelnen Geländemassen. Diese kann ebenfalls auf dem mittleren Platze als glücklich beobachtet werden.

Doch nicht weniger ist es die Einzelarchitektur, die sicher in Hamburg überraschend wirken muss, für das Publikum augenfälliger sein wird. Das Torgebäude ist so charakteristisch, so luftig in seinen gewagten Linien und Farben, wie mir kein zweites bekannt. Die Wirtschaftsgebäude, die bescheidene Architektur der Tanzplatte, die Flaggenstangen, die Umwährung, die verschiedenartigen Kioske, selbst das Häuschen der Notwendigkeit sind fein empfundene, eigenartige, architektonische Schöpfungen, die den Namen der Architekten hohe Ehre machen werden …“

Bauausführung

Die Architekten Brask und Rosenstand berichten:

„Da die Mittel gering waren, musste man mit einer sehr einfachen Architektur und billigen Materialien arbeiten.
Die größeren, flachen Gebäude sind in Fachwerk gebaut, mit Rabitzgewebe bespannt und mit Zement verputzt. Über den Zement ist eine farbige Schicht Spritzputz aufgebracht. Die Dächer sind mit roten, holländischen Fliesen, der Haupteingang aber mit Biberschwanzsteinen abgedeckt.
Der Haupteingang ist in einer kräftigen, leuchtend roten Farbe mit Gesims und Streifen gehalten, das Sommercafé in hellgrauem Putz mit Gesims und Bändern ausgeführt. Der Tanzsalon ist im Stil eines alten niederdeutschen Landhauses, mit Fachwerk, reich gemustertem Mauerwerk und hohem Strohdach ausgestattet.“

Der Tanzpalast im Entwurf von Brask und Rosenstand.
Bild: Neue Hamburger Zeitung

Baustelle

Am 23.8.1913, kurz vor der Eröffnung des Parks, berichtet das Hamburger Echo von der Situation auf der Baustelle:

„Delikates vom Lunapark.

Der Lunapark soll vom Sonntag an als Vergnügungspark dienen. An ihm zu arbeiten ist kein Vergnügen. Nachstehende Zeilen sollen der Öffentlichkeit einen Einblick in die sittlich-sanitären Verhältnisse während der Herstellung der Baulichkeiten gewähren.

In der letzten Zeit sind dort ungefähr 200 Bauarbeiter beschäftigt. Für die Zimmerer und auch für die anderen Gruppen waren die Unterkunftsräume, besonders in letzter Zeit, sehr mangelhaft. In der Baubude der Zimmerer war nur teilweise Fußboden. Das Dach leckte. Weit schlimmer sah es aber mit den Abortanlagen aus. Für die 200 Arbeiter ganze zwei Abgeordnete mit drei Sitzen vorhanden. Ein anderer Abort steht außerhalb des Baugeländes in der Augustinerstraße. Dieser hat allerdings drei Sitze, darf aber von den Arbeitern dort wenig oder gar nicht benutzt werden.

Am 7. August teilte die Bauarbeiterschutzkommission der Firma Rupprecht, München, mit, dass die Zustände nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Es wurde auch Abhilfe versprochen. Aber geschehen ist nichts. Die Zimmerer verweigerten darauf die Arbeit und erzielten, dass die Baubude vorschriftsmäßig hergerichtet wurde. Den Gipsern wurde ein Raum, der wohl später als Kassierzelle dienen soll, angewiesen. Der Raum war an einer Seite offen, Fenster fehlten gänzlich. Unter dem 8. des Monats wurde die zuständige Behörde von der unvorschriftsmäßig Klarheit der Abgeordnete in Kenntnis gesetzt, mit dem „Erfolg“, das bis heute daran nichts geändert ist. Die Klosette sind geradezu in einem ungeheuerlichen Zustand. Das eine Klosett unter der Rodelbahn zu beschreiben, ist an dieser Stelle nicht möglich. Das Klosett neben dem bayerischen Restaurant droht umzufallen, wenn zwei Mitarbeiter es benutzen. Pissoire sieht man überhaupt nicht …“

Geschichte

1911

Im November 1911 erhielt die Bauverwaltung Altona ein Schreiben vom Kaufmann Hugo Smidt, ein Grundstück für einen Vergnügungspark zur Verfügung gestellt zu bekommen.

…mehr

1912

Die Titanic sank in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 im Nordatlantik, nachdem sie auf ihrer Jungfernfahrt einen Eisberg gerammt hatte.

In Altona beginnt die Baubehörde Verhandlungen mit Hugo Smidt

…mehr

1913

Am 28. August 1913 um 16:00 Uhr wird der Luna Park Altona eröffnet. Es kamen Senator Hampe, Stadtbauinspektor Jakstein und andere Ehrengäste.

…mehr

1914

Beim Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 wurden der Thronfolger Österreich-Ungarns und seine Gemahlin ermordet, was in der Folge zum Ersten Weltkrieg führte.

Im Frühling 1914 begann der Luna Park seine zweite Saison unter weiter erschwerten Bedingungen.

…mehr

1921

Es herrschen Inflation und später sogar Hyperinflation. Die Stadt gibt Notgeld aus.

Der Rat sorgt sich um den Bestand des Parks und sucht Kontakt zu einem ausgewiesenen Fachmann der Unterhaltungsindustrie, den „Karusselkönig“ Hugo Haase.

…mehr

1925

Paul von Hindenburg wird als Reichspräsident vereidigt.

Die Wiedereröffnung des Luna Parks scheitert aufgrund der wirtschaftlichen Lage.

…mehr

1926

In der Weimarer Republik scheitert der Volksentscheid zur entschädigungslosen Fürstenenteignung

Im Februar 1926 übernimmt die Stadt Altona das Gelände des Luna Parks und beginnt mit Planungen für Sportplätze.

…mehr